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12.02.2004

 

Nicht ins Tuch schnäuzen!

Rundgänge zur Bildung in Geschichte und Gegenwart

VON SABINE STOLL

Mit welchen Hilfsmitteln hat man im Mittelalter schwierige Rechenaufgaben gelöst? Welche Schulen gab es überhaupt? Und was mussten junge Ritter lernen, damit aus ihnen große, gebildete und eloquente Ritter wurden - außer, dass sie sich nicht ins Tischtuch schnäuzen sollen? Zum Weltgästeführertag bietet der Verein »Die Stadtführer« am Samstag und Sonntag zahlreiche Führungen an - rund um das Thema Bildung: für Erwachsene, Kinder, auf Deutsch und fremdsprachig (Englisch, Russisch, Ungarisch).

Der Gästeführertag ist natürlich keine Nürnberger Erfindung, sondern wird bundesweit zelebriert. 38 Städte und ihre Stadtführer beteiligen sich am Wochenende. Alle Rundgänge behandeln in irgendeiner Form die Themen Bildung und Ausbildung in Geschichte und Gegenwart. Anlass sind die aktuellen Diskussionen um das Bildungssystem. Um den richtigen Weg der Ausbildung sei übrigens bereits im Mittelalter heftig gestritten worden, sagt Margit Schmidt-Pikulicki, Vorsitzende der »Stadtführer«.

Was nun konkret in Nürnberg geboten wird? Die Führung »Brunnenfiguren als Bildungssymbole« gibt einen Überblick über den mittelalterlichen Bildungskanon. Beim Rundgang um den Schönen Brunnen am Hauptmarkt entstehe angesichts der Figuren von Gelehrten und Wissenschaftlern ein anschauliches Bild von den Inhalten und dem Aufbau des mittelalterlichen Bildungssystem, versprechen die Stadtführer.

Lateinschule, deutsche Schule oder Privatunterricht? Die Führung »Von Bildungshunger und Wissensdurst« führt zu Stätten Nürnberger Schulgeschichte und »thematisiert die Veränderung des Schulwesens und der Bildungsinhalte während der letzten sechs Jahrhunderte«. Ein Zentrum der mittelalterlichen Bildung bildeten die Klöster mit ihren Schulen und Bibliotheken, sagt Schmidt-Pikulicki. »Die Führung ,Geistesleben im Geheimen' wirft einen Blick hinter die Klostermauern und stellt gelehrte Nürnberger Mönche und Nonnen vor.«

Die Ausbildung in Handwerk und Handel funktionierte auch in der Vergangenheit nach ganz eigenen Regeln. Beim Rundgang »Nicht nur Übung macht den Meister« wandeln die Teilnehmer auf den Spuren von Ausbildung und Arbeitsalltag von Gerbern und Goldschmieden, Künstlern und Kompassmachern, Schlossern und Steinmetzen. Gegenwartslastiger ist dagegen die Führung entlang der Kulturmeile. Vorgestellt werden Museen, das Kulturrathaus oder das neue Literaturhaus zum Beispiel.

Weil Kinder klassische Führungen vermutlich langweilig finden, gibt es speziell für sie den Rundgang »Was Hänschen nicht lernt . . .«.

Alle Führungen sind übrigens kostenlos. Auch eine Anmeldung ist nicht nötig. Wann und wo die Führungen starten, steht in einem Faltblatt, das bei der Tourist-Info in der Königstraße erhältlich ist. Samstags und sonntags kann die Broschüre auch am Schönen Brunnen abgeholt werden.

 

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