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16.02.2004

 

Auf den Spuren der eigenen Vergangenheit

Touren der Nürnberger Gästeführer kommen auch bei Einheimischen an - Verein sorgt für Fortbildung

Markenpiraterie und Industriespionage sind nicht erst für die moderne Wirtschaft ein Problem. Schon im Mittelalter mussten sich die Nürnberger vorsehen, ihre Erfindungen zu schützen, um nicht buchstäblich mit den eigenen Waffen beschossen zu werden.

»Geschützgießer oder Brillenmacher durften als Angehörige aus anderen so genannten gesperrten Gewerben nicht auf Wanderschaft gehen«, erläutert Ursula Kraft. Gebannt lauschen ihr drei Dutzend Zuhörer. »Andere Gesellen mussten hingegen bekanntlich jahrelang auf die Walz gehen, zum Teil bis nach Ungarn und Antwerpen. Und für manche Berufe gab es Pflichtstationen, wie Basel oder Bern für die Zimmerleute.«

Eine Stunde lang erzählt die erfahrene Stadtführerin auf dem Rundgang über Lehre und Ausbildung in alter Zeit - und versteht es immer wieder, die Brücke zur Neuzeit zu schlagen: Noch 1919 habe ihr Vater eigens das Nürnberger Bürgerrecht, einst unerlässliche Voraussetzung für die Ausübung eines Gewerbes, beantragen müssen. Ihre Führung ist eine von sechs Spezialtouren, die der Verein der Gästeführer Nürnbergs neu ausgearbeitet hat. Nach dem Thema »Wasser« im Jahr 2003 beleuchten sie diesmal verschiedene Seiten des einstigen Schulwesens, machen mit der Kulturmeile, mit Klöstern als Bildungsstätten und dem früheren Bildungskanon vertraut, wie er an den Figuren des Schönen Brunnens abzulesen ist.

Die 85 Mitglieder des Vereins, überwiegend Frauen, sind zwar nur ein Teil aller in Nürnberg tätigen Gästeführer, aber vielfach besonders engagiert, zum Beispiel auch in Museen. Außerdem übernimmt der Verein in Kooperation mit der Tourismuszentrale Ausbildung und Prüfung neuer Führer (Informationen im Internet: www.nuernberg-tours.de). Zum Weltgästeführertag stellte er sich am Wochenende bei fast 30 kostenlosen Rundgängen gezielt den Einheimischen vor - um sie dabei auch mit etwas unbekannteren Sehenswürdigkeiten vertraut zu machen. »Touristen sind relativ leicht zu begeistern. Viele haben nur ungenaue Vorstellungen und sind überrascht, wie schön die Stadt ist«, fasst die langjährige Vorsitzende Karin Ecker die Erfahrungen zusammen.

Die Einheimischen indes sind anspruchsvoller, weil sie viel Wissen mitbringen. Wie Renate Boennecke, die schon als Mitglied der Altstadtfreunde ungezählte Führungen mitgemacht hat. Erfährt sie trotzdem noch etwas Neues? »Aber ja«, lacht sie, »und Wiederholung ist die Mutter der Weisheit.« Ganz gezielt hat sich auch Ernst Fleischmann die Handwerks-Führung ausgesucht. »Hier habe ich meine Prüfung als Industriemeister abgelegt«, deutet er auf das IHK-Gebäude. »Das hat mir beruflich viele Möglichkeiten eröffnet.« W. HEILIG-ACHNECK

Vor der Industrie- und Handelskammer schildert Ursula Kraft (Mitte) das Ausbildungswesen im Mittelalter. Foto: Bauer
 

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