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Die Welt zu Gast in Nürnberg: Inspiriert vom Motto der Fußball-WM, haben die Gästeführerinnen und -führer des Nürnberger Vereins Stadtführer zwei neue Touren ausgedacht. Erstmals laden sie die Öffentlichkeit am kommenden Wochenende zu kostenlosen Schnupperrundgängen auf den Spuren des Sports in der Stadt und zu sichtbaren Zeugnissen zu Nürnbergs internationalen Beziehungen ein.
Sport im heutigen Verständnis hat sich erst im 19. Jahrhundert entwickelt;
legendär ist »Turnvater Jahn«. Der TSV 1846 war einst der erste Männerturnverein
Bayerns; seine Übungsräume hatte er zeitweise im früheren Katharinenkloster, wo
1848 auch der Fränkische Turnerbund gegründet wurde. »Aber Kämpfe, Spiele und
körperliche Ertüchtigung gab es in Nürnberg natürlich lange zuvor - das stand
freilich weitgehend im Dienst militärischer Erfordernisse«, erläutert Margit
Schmidt-Pikulicki, die Vorsitzende des Stadtführervereins.
Seit dem 14. Jahrhundert sind Schützen- und Fechtgemeinschaften bezeugt; das so
genannte Herrenschießhaus Am Sand erinnert daran noch heute. Dort, an den Blauen
Reitern neben der Mensa auf dem Andrej-Sacharow-Platz, beginnen denn auch die
gut einstündigen Spaziergänge zum Thema »Eine runde Sache - vom Mittelalter zur
Fußball-Weltmeisterschaft« (18. und 19. Februar, jeweils stündlich von 10 bis 15
Uhr).
Nebenan auf der Insel Schütt, befand sich das Fechthaus mit 3000 Plätzen,
sozusagen die Arena des alten Nürnberg. Sie diente als Theater ebenso wie für
Schaukämpfe. Der Weg an der Pegnitz entlang gibt dann Anlass, über Wassersport
(Fischerstechen) sowie über Rad- und Motorsport zu informieren. Mit den Erfolgen
des Clubs avancierte Nürnberg endgültig zur Sporthochburg.
Neu erarbeitet haben sich die derzeit 88 geprüften Stadtführerinnen des Vereins
auch die zweite Tour. Dabei kommen vor allem ihre 30 nicht aus Deutschland
stammenden Mitglieder zum Zuge. Mit ihrer Hilfe können Touren in 18 Sprachen
angeboten werden. Am kommenden Wochenende aber beteiligen sie sich auf Deutsch -
wenn auch mit manchmal charmantem Akzent, aber eben auch dem »fremden« Blick auf
Nürnberg. Die Teilnehmer werden dabei in Form eines Staffelkurses zu zehn
Stationen geleitet, wo Kolleginnen aus Polen, USA, Italien, Ungarn und anderen
Ländern beispielsweise den Behaim-Globus erläutern, seit wann es italienisches
Eis in Nürnberg gibt, dass der berühmte »Ochs von der Fleischbrücke« aus der
Puszta stammen dürfte und was es mit den »schottischen« Mönchen im
Egidienkloster auf sich hatte. Beginn ist an beiden Tagen um 13.30, 13.50, 14.10
und 14.30 Uhr am Rathaus Wolffscher Bau (am Sonntag um 14.10 Uhr auch in
Gebärdensprache).
Nicht nur zum Aufwärmen ist am Samstag von 13 bis 16.30 Uhr und am Sonntag von
13 bis 15 Uhr die Ehrenhalle des Rathauses geöffnet. Das Amt für Internationale
Beziehungen arrangiert für die Besucher dort ein Kulturprogramm mit Musik
griechischer Gruppen, der französischen Schule und von zwei Dudelsackspielern,
einem Auftritt von Boris Bogdanov, Video-Porträts der Partnerstädte und
Informationen über Bürgerreisen.
Beide Touren werden ab Sommer in zum Teil erweiterter Form auch regulär
angeboten. Anlass, sie jetzt vorzustellen, ist der Weltgästeführertag, der seit
1989 weltweit begangen wird. Ziel ist in Deutschland vor allem die Anerkennung
der Tätigkeit als eigenständiger Beruf. Vor einem Jahr zählten die Organisatoren
an den Führungen in 40 deutschen Städten rund 11200 Teilnehmer, davon 1300 in
Nürnberg.

Die Gästeführerinnen zeigen bei den Rundgängen auch diesen
historischen Stich des Fechthauses auf der Insel Schütt.
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