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NN/HA/LOKAL/LOKAL2 - Mi 15.02.2006 - STADT NÜRNBERG

Vom Fechthaus zum Behaimglobus

Verein der Stadtführer stellt neue Touren zu Sport und Auslandsbeziehungen vor

VON WOLFGANG HEILIG-ACHNECK

Die Welt zu Gast in Nürnberg: Inspiriert vom Motto der Fußball-WM, haben die Gästeführerinnen und -führer des Nürnberger Vereins Stadtführer zwei neue Touren ausgedacht. Erstmals laden sie die Öffentlichkeit am kommenden Wochenende zu kostenlosen Schnupperrundgängen auf den Spuren des Sports in der Stadt und zu sichtbaren Zeugnissen zu Nürnbergs internationalen Beziehungen ein.

Sport im heutigen Verständnis hat sich erst im 19. Jahrhundert entwickelt; legendär ist »Turnvater Jahn«. Der TSV 1846 war einst der erste Männerturnverein Bayerns; seine Übungsräume hatte er zeitweise im früheren Katharinenkloster, wo 1848 auch der Fränkische Turnerbund gegründet wurde. »Aber Kämpfe, Spiele und körperliche Ertüchtigung gab es in Nürnberg natürlich lange zuvor - das stand freilich weitgehend im Dienst militärischer Erfordernisse«, erläutert Margit Schmidt-Pikulicki, die Vorsitzende des Stadtführervereins.
Seit dem 14. Jahrhundert sind Schützen- und Fechtgemeinschaften bezeugt; das so genannte Herrenschießhaus Am Sand erinnert daran noch heute. Dort, an den Blauen Reitern neben der Mensa auf dem Andrej-Sacharow-Platz, beginnen denn auch die gut einstündigen Spaziergänge zum Thema »Eine runde Sache - vom Mittelalter zur Fußball-Weltmeisterschaft« (18. und 19. Februar, jeweils stündlich von 10 bis 15 Uhr).
Nebenan auf der Insel Schütt, befand sich das Fechthaus mit 3000 Plätzen, sozusagen die Arena des alten Nürnberg. Sie diente als Theater ebenso wie für Schaukämpfe. Der Weg an der Pegnitz entlang gibt dann Anlass, über Wassersport (Fischerstechen) sowie über Rad- und Motorsport zu informieren. Mit den Erfolgen des Clubs avancierte Nürnberg endgültig zur Sporthochburg.
Neu erarbeitet haben sich die derzeit 88 geprüften Stadtführerinnen des Vereins auch die zweite Tour. Dabei kommen vor allem ihre 30 nicht aus Deutschland stammenden Mitglieder zum Zuge. Mit ihrer Hilfe können Touren in 18 Sprachen angeboten werden. Am kommenden Wochenende aber beteiligen sie sich auf Deutsch - wenn auch mit manchmal charmantem Akzent, aber eben auch dem »fremden« Blick auf Nürnberg. Die Teilnehmer werden dabei in Form eines Staffelkurses zu zehn Stationen geleitet, wo Kolleginnen aus Polen, USA, Italien, Ungarn und anderen Ländern beispielsweise den Behaim-Globus erläutern, seit wann es italienisches Eis in Nürnberg gibt, dass der berühmte »Ochs von der Fleischbrücke« aus der Puszta stammen dürfte und was es mit den »schottischen« Mönchen im Egidienkloster auf sich hatte. Beginn ist an beiden Tagen um 13.30, 13.50, 14.10 und 14.30 Uhr am Rathaus Wolffscher Bau (am Sonntag um 14.10 Uhr auch in Gebärdensprache).
Nicht nur zum Aufwärmen ist am Samstag von 13 bis 16.30 Uhr und am Sonntag von 13 bis 15 Uhr die Ehrenhalle des Rathauses geöffnet. Das Amt für Internationale Beziehungen arrangiert für die Besucher dort ein Kulturprogramm mit Musik griechischer Gruppen, der französischen Schule und von zwei Dudelsackspielern, einem Auftritt von Boris Bogdanov, Video-Porträts der Partnerstädte und Informationen über Bürgerreisen.
Beide Touren werden ab Sommer in zum Teil erweiterter Form auch regulär angeboten. Anlass, sie jetzt vorzustellen, ist der Weltgästeführertag, der seit 1989 weltweit begangen wird. Ziel ist in Deutschland vor allem die Anerkennung der Tätigkeit als eigenständiger Beruf. Vor einem Jahr zählten die Organisatoren an den Führungen in 40 deutschen Städten rund 11200 Teilnehmer, davon 1300 in Nürnberg.

Fechthaus
Die Gästeführerinnen zeigen bei den Rundgängen auch diesen historischen Stich des Fechthauses auf der Insel Schütt.
 

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