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Wäre dies eine Frage in einem Fernsehquiz, wüsste selbst manch eingefleischter Franke nicht die Antwort: Welche Stadt nannte sich um 1920 »deutsche Sporthochburg«? Genau - Nürnberg. Die Stadt schmückte Postkarten mit Stadion und Reichelsdorfer Radrennbahn, wobei Letztere zur Eröffnung 10 000 Fans anzog und der Club damals froh sein musste, wenn ein paar Hundert kamen. Stadtführungen zur sportlichen Vergangenheit Nürnbergs waren ein Schwerpunkt des 17. Weltgästeführertages, der am Wochenende viele Nürnberger anzog.
Die Fußball-Weltmeisterschaft macht vor fast nichts Halt, auch nicht vor dem
Weltgästeführertag. Stadtführer im ganzen Land überlegten, wie sie das WM-Motto
»Die Welt zu Gast bei Freunden« umsetzen können. Der Nürnberger Verein »Die
Stadtführer« bastelte seit Oktober an Führungen zur Sportgeschichte der Noris.
Und weil die WM ein internationales Fest ist, gab es am Wochenende außerdem
»Staffelführungen« mit Stadtführern unterschiedlicher Nationalität.
Annette Hofmann guckt gern Fußball und derzeit die Olympischen Winterspiele.
Fremd ist ihr das Thema Leibesübung also nicht. Hofmann ist eine der 88
geprüften Nürnberger Stadtführer und so manches in der Geschichte der
sportlichen Noris fand sie selber ganz schön spannend. »Auf der Insel Schütt gab
es seit dem 14. Jahrhundert ein Wildbad. Kurgäste saßen fünf Stunden in Wannen
mit Wasser aus einer eisenhaltigen Quelle.« Und weil die Eitelkeit auch beim
Kuren eine Rolle spielt, trugen die Damen modische Bademützen. Die Stadtführerin
erzählt dies ihren 20 Zuhörern und deutet auf die Insel Schütt-Schule, wo früher
zuerst besagtes Bad, später als Anbau eine Fechthalle und noch später eine
Schwimmhalle stand.
Der Weg führt weiter zum Schuldturm und an Nürnbergs erste Fahrrad-Straße. Die
nimmt Hofmann zum Aufhänger für ihre Erzählung vom Führerschein für Radler, der
um 1900 Pflicht war. Die Prüfungen wurden auf der Strecke zwischen Burg und
Hauptmarkt abgelegt. Schützen, Fechter, Ringer, Radler - und der »Ruhmreiche«:
Die Führungen zum Thema »Sport in Nürnberg« finden ab Mai regelmäßig statt. Sie
seien auch für die Gäste der Fußball-WM gedacht, sagt Hofmann. »Fans aus Mexiko
haben schon gebucht.«
Bereits im Jahr des Confederations-Cups haben die Übernachtungszahlen in
Nürnberg zugelegt, zitiert Hofmann aus Statistiken der Kongress- und
Tourismuszentrale. »2005 nahm die Zahl der Übernachtungen um vier Prozent zu,
während des Christkindlesmarktes um 5,1 Prozent.« Was die Kritik an dem Markt
doch etwas entkräfte, findet die Stadtführerin.
Wie international Nürnberg bereits ohne seine ausländischen Besucher ist,
zeigten die »Staffelführungen«. Carita und Regina aus Finnland machen den Anfang
der ersten der vier Touren am Sonntag. Sie leben schon über 30 Jahre in Nürnberg
und erzählen: Dass sich hier 89 Schweden und 120 Finnen zu Hause fühlen. Dass
die Skandinavier stolz waren, als im Jahr 2000 zum Stadtjubiläum Schwedens
Königin Silvia anreiste. Anschließend berichtet Bozena Mazur aus der
Partnerstadt Krakau vor der Sebalduskirche vom »Gastarbeiter« Veit Stoß, der
auch in Polen wirkte. Am Egidienplatz bringt Diane Leukert aus Glasgow auf die
Gruppe einen schottischen Trinkspruch aus. Eine vergnügliche Sache, dieser
Gästeführertag. Übrigens gehen auch die »StaffelTouren« in etwas anderer Form
weiter.
Annette Hofmann zeigt der Gruppe vor dem Herrenschießhaus ein historisches Bild
der Insel Schütt. Foto: Hippel
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