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NN/HA/LOKAL/LOKAL11 - Sa 19.08.2006 - NÜRNBERG EXTRA: STADT NÜRNBERG

Was Brunnen erzählen

Führung zu den Wasserspendern der Sebalder Altstadt

VON ANDREAS KIRCHMAYER

Der Nürnberger Verein »Die Stadtführer« bietet zahlreiche Führungen zu den bekannten und versteckten Sehenswürdigkeiten der Stadt an. Aktuell im Ferienmonat August: die Brunnen in der Sebalder Altstadt.

Um 19 Uhr, als sich die Altstadt zu sommerlichen Abendtemperaturen mit Passanten in Feierabendlaune füllt, beginnt Stadtführerin Margot Lölhöffel den Rundgang. »Vom Gänsemännchen zum Gockelreiter« - die Sebalder Brunnen stehen auf dem Programm.

Von Dürer inspiriert?

Wie der Name vermuten lässt, beginnt die Führung, an der ein Dutzend Interessierte teilnehmen, am Gänsemännchenbrunnen in der Rathausgasse. Der um 1550 erbaute Brunnen erinnere an eine Zeichnung Albrecht Dürers, die gut 50 Jahre früher entstanden sei, sagt Lölhöffel. Sie attestiert dem noch sehr jungen Dürer eine Vorreiterfunktion im Darstellen von »einfachen Menschen in alltäglichen Lebenssituationen«. Gut möglich, dass sich Pankraz Labenwolf, der die Bronzefigur des Brunnens erschuf, von Dürer inspirieren ließ.
Weil noch einige andere historische wie moderne Wasserspender auf dem Programm stehen, zieht das Grüppchen, mit Hintergrundinformationen versorgt, weiter. Wer sich jetzt schon auf den Schönen Brunnen auf dem Hauptmarkt freut, muss sich allerdings noch eine Weile gedulden, darf dafür aber den einen oder anderen unbekannten Brunnen kennen lernen.
Ein Beispiel: der 1970 erbaute »Stockzahn« an der Ecke Spitalgasse/ Bischof-Meiser-Straße. Er will wegen seines modernen Baustils nicht so recht ins Bild der historischen Sebalder Altstadt passen, hat allerdings den »erfrischendsten Klang aller Nürnberger Brunnen«, findet Margot Lölhöffel.
Seit sie auch Brunnenführungen für Sehbehinderte anbietet, achtet sie verstärkt auf die Akustik. Leider blieben viele Brunnen trocken und somit stumm, beklagt die Stadtführerin. Der Stadt fehle offenbar das Geld, die Kulturschätze mit Wasser zu versorgen. Lölhöffel hofft daher auf private Spenden der Nürnberger Bürger.
Mit dem Laternenanzünderbrunnen wurde einem ausgestorbenen Beruf ein Denkmal gesetzt. Der 1954 erbaute Brunnen erinnert daran, dass die Straßenbeleuchtung vor der Erfindung der Elektrizität noch in den Händen einfacher Bürger lag.

Zum »Gockelreiter« und weiter

Den Abschluss der Führung soll der »Gockelreiter« bilden. Der bunt bemalte Wasserspender ist laut Lölhöffel der einzige Keramikbrunnen in Nürnberg, und die Gruppe findet, dass der moderne Brunnen vor dem Spielzeugmuseum gut aufgehoben ist. Eigentlich wäre das die letzte Station des Rundgangs gewesen, doch Lölhöffel verlängert die Tour für die Interessierten um zwei weitere Brunnen.
»Die Stadtführer« bieten ein umfangreiches Programm an. Die in vielen Sprachen, mittlerweile auch in der Gebärdensprache angebotenen Einzelführungen kosten bis auf wenige Ausnahmen sechs Euro pro Person, die Gruppenführungen in den gängigsten Sprachen ab 73 Euro (Deutsch) und 88 Euro (Fremdsprache). Die Sebalder Brunnen kann man noch am 24. sowie 31. August kennen lernen. Treffpunkt ist der Gänsemännchenbrunnen am Rathaus um 19 Uhr.

Dürer als Vorbild? Stadtführerin Margot Lölhöffel zeigt den Teilnehmern der Führung vor dem Gänsemännchenbrunnen eine Zeichnung Albrecht Dürers. Foto: Eduard Weigert

Kontakt: www.nuernberg-tours.de oder Telefon (0 91 22) 8 10 21.
 

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