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VON ANDREAS KIRCHMAYER
Der Nürnberger Verein »Die Stadtführer« bietet zahlreiche Führungen zu den bekannten und versteckten Sehenswürdigkeiten der Stadt an. Aktuell im Ferienmonat August: die Brunnen in der Sebalder Altstadt.
Um 19 Uhr, als sich die Altstadt zu sommerlichen Abendtemperaturen mit Passanten in Feierabendlaune füllt, beginnt Stadtführerin Margot Lölhöffel den Rundgang. »Vom Gänsemännchen zum Gockelreiter« - die Sebalder Brunnen stehen auf dem Programm.
Von Dürer inspiriert?
Wie der Name vermuten lässt, beginnt die Führung, an der ein Dutzend
Interessierte teilnehmen, am Gänsemännchenbrunnen in der Rathausgasse. Der um
1550 erbaute Brunnen erinnere an eine Zeichnung Albrecht Dürers, die gut 50
Jahre früher entstanden sei, sagt Lölhöffel. Sie attestiert dem noch sehr jungen
Dürer eine Vorreiterfunktion im Darstellen von »einfachen Menschen in
alltäglichen Lebenssituationen«. Gut möglich, dass sich Pankraz Labenwolf, der
die Bronzefigur des Brunnens erschuf, von Dürer inspirieren ließ.
Weil noch einige andere historische wie moderne Wasserspender auf dem Programm
stehen, zieht das Grüppchen, mit Hintergrundinformationen versorgt, weiter. Wer
sich jetzt schon auf den Schönen Brunnen auf dem Hauptmarkt freut, muss sich
allerdings noch eine Weile gedulden, darf dafür aber den einen oder anderen
unbekannten Brunnen kennen lernen.
Ein Beispiel: der 1970 erbaute »Stockzahn« an der Ecke Spitalgasse/
Bischof-Meiser-Straße. Er will wegen seines modernen Baustils nicht so recht ins
Bild der historischen Sebalder Altstadt passen, hat allerdings den »erfrischendsten
Klang aller Nürnberger Brunnen«, findet Margot Lölhöffel.
Seit sie auch Brunnenführungen für Sehbehinderte anbietet, achtet sie verstärkt
auf die Akustik. Leider blieben viele Brunnen trocken und somit stumm, beklagt
die Stadtführerin. Der Stadt fehle offenbar das Geld, die Kulturschätze mit
Wasser zu versorgen. Lölhöffel hofft daher auf private Spenden der Nürnberger
Bürger.
Mit dem Laternenanzünderbrunnen wurde einem ausgestorbenen Beruf ein Denkmal
gesetzt. Der 1954 erbaute Brunnen erinnert daran, dass die Straßenbeleuchtung
vor der Erfindung der Elektrizität noch in den Händen einfacher Bürger lag.
Zum »Gockelreiter« und weiter
Den Abschluss der Führung soll der »Gockelreiter« bilden. Der bunt bemalte
Wasserspender ist laut Lölhöffel der einzige Keramikbrunnen in Nürnberg, und die
Gruppe findet, dass der moderne Brunnen vor dem Spielzeugmuseum gut aufgehoben
ist. Eigentlich wäre das die letzte Station des Rundgangs gewesen, doch
Lölhöffel verlängert die Tour für die Interessierten um zwei weitere Brunnen.
»Die Stadtführer« bieten ein umfangreiches Programm an. Die in vielen Sprachen,
mittlerweile auch in der Gebärdensprache angebotenen Einzelführungen kosten bis
auf wenige Ausnahmen sechs Euro pro Person, die Gruppenführungen in den
gängigsten Sprachen ab 73 Euro (Deutsch) und 88 Euro (Fremdsprache). Die
Sebalder Brunnen kann man noch am 24. sowie 31. August kennen lernen. Treffpunkt
ist der Gänsemännchenbrunnen am Rathaus um 19 Uhr.
Dürer als Vorbild? Stadtführerin Margot Lölhöffel zeigt den Teilnehmern der Führung vor dem Gänsemännchenbrunnen eine Zeichnung Albrecht Dürers. Foto: Eduard Weigert
Kontakt: www.nuernberg-tours.de oder Telefon (0 91 22) 8 10 21.
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