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NZ/HA/NPLUS/NPLUS1 - Do 29.09.2005

Stadtführung nach einem Kinderkrimi:

Mit Oskar das Mittelalter erleben

Am Anfang müssen die Kinder einen feierlichen Schwur leisten. Auf keinen Fall werden sie preisgeben, wie der Krimi »Oskar und das Geheimnis der verschwundenen Kinder« ausgegangen ist. Nur für den Fall, dass unter den Teilnehmern dieser Stadtführung jemand ist, der das Buch noch nicht zu Ende gelesen hat. Denn die Spannung soll schließlich bei jedem Leser bis zum Schluss erhalten bleiben.

Eine Stadtführung, die mit einem Schwur beginnt - eine etwas andere Führung also: für Kinder dieses Jahr neu konzipiert nach einem 2004 erschienenen Kinderbuch, das sowohl im gegenwärtigen als auch im mittelalterlichen Nürnberg spielt. Die Idee dazu hatten Doris Ritter und Claudia Siegel-Weiß vom Verein »Die Stadtführer«, nachdem sie von einer Lehrerin angesprochen worden waren. Diese hatte mit ihrer Schulklasse das Buch von Claudia Frieser gelesen und wollte die Schauplätze der Geschichte anschauen.

Die Bamberger Archäologin, die eine Zeit lang am Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg gearbeitet hat, hat mit ihrem »Oskar« ein sehr spannendes und zudem kenntnisreiches Buch geschrieben, das inzwischen auch in einer Broschüre des bayerischen Kultusministeriums empfohlen wird.

Befreundet mit dem 13-jährigen Albrecht Dürer

Für eine Führung eignet sich das Buch hervorragend. Als Krimi sorgt es für Spannung, und so ganz nebenbei erfahren die Leser jede Menge Wissenswertes über das Mittelalter und seine Gepflogenheiten. Und natürlich ganz speziell auch über Nürnberg, die mittelalterliche Stadt schlechthin. Oskar, ein Junge aus unserer Zeit, wird dorthin versetzt, freundet sich mit einer Baderin und einem 13-jährigen Jungen namens Albrecht Dürer an und erlebt erstaunliche Dinge. Das Erstaunlichste von allem ist für ihn aber, vom Nürnberg des Jahres 1484 nicht nur im Geschichtsbuch zu lesen, sondern es selbst zu sehen, zu riechen, zu fühlen, zu schmecken . . .

Genau hier setzen Doris Ritter und Claudia Siegel-Weiß mit ihrer Führung an. »Wir nehmen die Kinder auf eine Zeitreise mit«, sagen sie. »Wir laufen die Schauplätze ab und erzählen chronologisch die Handlung.« Vor allem aber lassen sie die Kinder selbst erfahren, was damals anders war.

Am meisten beeindrucke diese, wie dreckig die Pegnitz damals im Vergleich zu heute gewesen sei. Ein Blick von der Museumsbrücke oder vom Ufer gegenüber des Heilig Geist Spitals hinunter aufs Wasser fällt jetzt jedenfalls ganz anders aus.

An dieser Stelle lesen die Stadtführerinnen eine Stelle aus dem Buch: »Oskar ( . . .) betrachtete die Pegnitz nun genauer. Unglaublich, was alles darin schwamm! Müll, Abfälle aus den Häusern und Fäkalien. An einigen Stellen floss sogar Blut in den Fluss. Vermutlich waren dort Metzgereien, in denen gerade geschlachtet wurde. Igitt! Und in dieser Brühe wuschen die Frauen bedenkenlos ihre Wäsche!«

Genau wie Oskar gruseln sich auch die Kinder. Und sehen die heutige Pegnitz mit anderen Augen. Begeistert sind sie, wenn sie dann - im Wissen um seine mittelalterliche Nutzung - den Abort-Erker am Heilig-Geist-Spital sehen. Was so malerisch zu sein scheint, war einmal ein Plumpsklo. »Es ist klasse, wenn die Kinder wirklich entdecken, was sie gelesen haben«, erklärt Doris Ritter den Erfolg der Führung.

Hauptmarkt, Rathaus, Sebalduskirche und Dürerhaus sind weitere Stationen, bei denen die Kinder ihre eigene Stadt genauer kennen lernen. Manche haben sich allerdings vorab schon - über den Krimi hinaus - in die Materie vertieft. Der zwölfjährige Maximilian Schleif aus Feucht beispielsweise hat sich mit einem Stadtplan vorbereitet. Es kann ja nie schaden, ein bisschen genauer Bescheid zu wissen. Eva Kettler

 

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