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NZ/HA/NPLUS/NPLUS1 - Mo 24.07.2006

Stadtführer feierten am Schönen Brunnen

Figuren wurden lebendig

Nunmehr 610 Jahre besteht der Schöne Brunnen am Hauptmarkt. Dies nahm der Verein der Gästeführer Nürnbergs, »Die Stadtführer«, zum Anlass, das Wahrzeichen ganz in den Mittelpunkt seiner Feierlichkeiten zum 10-jährigen Gründungsjubiläum zu stellen und die vierzig Brunnenfiguren, die in vier Etagen das Weltbild des Heiligen Römischen Reiches darstellen, für ein paar Stunden zum Leben zu erwecken.

Die historisch gekleideten Stadtführerinnen und Stadtführer erzählten interessierten Besuchern etwas über ihre Geschichte. So war beispielsweise »Ambrosius«, Bischof von Mailand und ältester Kirchenvater des Brunnens, mit glitzernder Goldrobe und Mitra anzutreffen. Stadtführerin Cinzia Marletta, die ursprünglich aus Mailand stammt und seit drei Jahren ausschließlich italienische Gruppen durch Nürnberg führt, hat ihr Kostüm wie viele ihrer Kollegen selbst gebastelt.

Dem Besucher bot sich demnach eine bunte Vielfalt an phantasievollen Kostümierungen, die sich die Stadtführerinnen und Stadtführer ausgedacht hatten. Der »Kurfürst von der Pfalz« erschien beispielsweise eher modern und beantwortete die Besucherfragen ganz in Rot mit Federboa und Wollmütze. Dabei ist die Farbe rot und auch die Mützenform in der Darstellung eines Kurfürsten von besonderer Bedeutung, erzählt Margit Grüll. Als eines der jüngsten Mitglieder im Verein hat sie gerade erst die Prüfung abgelegt und ist gespannt auf ihre erste Reisegruppe, die sie bald durch Nürnberg führen wird.

Nach fünf Stadtführungen auch noch relativ neu ist Ingrid Jourdant-Kammerer. Mit einem tiefrotem Samtumhang, goldener Papp-Krone und glänzendem Reichsapfel schlüpfte sie in die Rolle des Königs von Böhmen und späteren Kaiser Karl IV. Er hat die Existenz des Hauptmarktes mitveranlasst und die »Goldene Bulle«, das Grundgesetz des damaligen Reiches erlassen und ist somit seiner Geschichte nach eine der wichtigsten Brunnenfiguren.

Die Idee mit den lebendigen Brunnenfiguren hatte Brunika Schönherr. »Der Schöne Brunnen ist ein kollosales Gesamtthema, das nur gemeinsam erfassbar ist«, sagt die Touristenführerin. Zum Jubiläum hat sie sich als »Anna von Sachsen«, der Gemahlin von Albrecht Achilles, der am Schönen Brunnen den Kurfürst von Brandenburg mimt, verkleidet. Da der Kurfürst im Krieg ist, muss sie ihn vertreten, erzählt sie den Besuchern mit einem Augenzwinkern. Zur Verstärkung hat sie deshalb ihren Bruder - der sowohl in der Geschichte als »Ernst Kurfürst von Sachsen« vorkommt, als auch im echten Leben tatsächlich ihr Bruder Joachim Weller ist - samt Frau mitgebracht. Die Drei haben sich stilecht »mittelalterlich« in prächtige burgundische Trachten eines Kostümverleihs aus Dresden gehüllt, denn das Ehepaar Weller war aus Sachsen zum Jubiläum angereist.

Zu den vielen Gästen im Rahmen des Jubiläums gehörte auch Oberbürgermeister Ulrich Maly. Er dankte den Stadtführerinnen und Stadtführern, dass sie durch ihr Wirken als erste und wichtigste Botschafter der Stadt die Geschichte Nürnbergs lebendig machen. Verkehrsdirektor Michael Weber war selbst in Studentenzeiten als Stadtführer tätig. Er betonte vor allem die hohe Qualität und Professionalität in der Arbeit des Vereins, die dem Tourismus und somit auch dem Wirtschaftsgeschehen und auch den Gästen selbst zugute kommt.

In kleinen Sketchen ließen der Werkmeister und eine Marktfrau in rauschendem Dialekt das damalige Geschehen auf dem Hauptmarkt Revue passieren, wohingegen die Brunnenfiguren die Geschichte Nürnbergs lebendig erzählten - nicht ohne in ihrer Eigenschaft als historische Wächter das jüngste moderne Kunstwerk rund um den Schönen Brunnen als vermeintlichen »Sessellift zur Burg" auch ein klein wenig zu parodieren.
Daniela Kaiser

Zum zehnjährigen Bestehen des Vereins der Stadtführer schlüpften einige Mitglieder in historische Gewänder und erzählten Passanten Geschichten von den Figuren des Schönen Brunnens. Foto: Sippel

 

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