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1587 mischte eine Frau ihrem Ehemann »Muckenpulver” in den Brei und obwohl dieser nicht daran starb, wurde die Giftmischerin geköpft. Eine eigentlich humane Tötungsmethode, man hätte die Frau auch langsam ertränken können. Diese und ähnliche Informationen erfahren Teilnehmer der etwas anderen Stadtführung »Von verborgenen Winkeln, geheimen Gemächern und ewigen Rätseln«. Margit Schmidt-Pikulicki beginnt ihre Themenführung am Henkersteg und lässt die Zeit von Scharfrichter Franz Schmidt wieder aufleben, dessen Wohnung sich am Trödelmarktende des Stegs befand.
Henker Schmidt protokollierte die Hinrichtungen
Ab 1427 war die Blutgerichtsbarkeit in Nürnberg Sache des Rats und das ausführende Organ war im 16. Jahrhundert über 30 Jahre lang Henker Schmidt. Ein akribischer Mann, der insgesamt mehr als 350 Hinrichtungen protokollierte und dessen Arbeitsplatz im heutigen Stadtviertel Galgenhof lag.
Am Unschlittplatz befindet sich ein ehemaliger Getreidespeicher und ein daran befestigter Brunnen. Die wasserspeiende Figur ist als »Hiserlein« überliefert, ein Name, dessen Herkunft und Bedeutung ein Rätsel bleibt. Gleich daneben befindet sich die Bär- leinhutergasse, benannt nach einem Bär mit Hut, welchen einmal ein Hutmacher als Maskottchen kreierte. Dort tauchte am Pfingstsonntag 1828 angeblich erstmals Kaspar Hauser auf, dessen Leben und Tod zu Spekulationen Anlass geben. Ob badischer Erbprinz oder nicht, darüber streiten noch heute seriöse Wissenschaftler.
Über die Mühl- und die Hintere Ledergasse geht die Führung zum Parkplatz am Polizeipräsidium, ein vergessener Zeuge neuerer Nürnberger Geschichte. Unter dem Parkplatz befindet sich noch heute der Palmenhofbunker, der bis zum Ende des 2. Weltkriegs von der lokalen NSDAP gehalten wurde. In diesem Bunker starb am 20. April 1945 der langjährige Nürnberger Oberbürgermeister Willy Liebel durch einen Kopfschuss. Ob der bekennende Nationalsozialist durch Suizid oder auf Auftrag von Gauleiter Holz starb, ist ungeklärt.
Schlusspunkt der Themenführung ist der Jakobsplatz. Dort berichtet Schmidt-Pikulicki vom Deutschen Orden und der Zeit, als Nürnberg 1806 als erste Freie Reichsstadt protestantisch wurde. Interessant ist die Anekdote, dass der ritterliche Sänger Tannhäuser - von Richard Wagner in der gleichnamigen Oper verewigt - in St. Jakob begraben sein soll. Eine Legende ohne Überprüfbarkeit.
Interessante Ecken jenseits des Schönen Brunnens
»Von verborgenen Winkeln, geheimen Gemächern und ewigen Rätseln« zeigt, dass Nürnberg neben Burg und Schönem Brunnen auch andere interessante Ecken zu bieten hat. Diese werden durch die detailreichen und pointierten Erzählungen von Fremdenführerin Schmidt-Pikulicki lebendig. Doch entpuppen sich nicht alle bei der Stadtführung angesteuerten Orte als wirklich erwähnenswert.
So haben die Henkersgeschichten und Findling Kaspar Hauser sicher ihren Reiz, doch leider mangelt es etwas an wirklich verblüffenden Anekdoten. Das so genannte »Hiserlein« oder die alte Mühle in der Mühlgasse werden nicht einmal in Ansätzen den tradierten Touristenattraktionen den Rang ablaufen.
Thomas Susemihl
Nein, ein Buch ist er nicht, das Hiserlein. Sondern eine wasserspeiende Figur. Woher der Name kommt, ist allerdings unklar. Das ist nur eines der vielen ungeklärten Rätsel, von denen Margit Schmidt-Pikulicki bei ihrer Führung erzählt. Foto: Iannicelli
m Weitere Führungen des Vereins »Die Stadtführer« am 12. 8., 9. 9., 30. 9., und 21. 10. jeweils um 14.30 Uhr. Treffpunkt: »Am Henkersteg«
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